Leseproben - Viel Spaß!

 

 

 

Charly wird Stadtlabrador

 

Herr K. setzt sich in der Mittagspause auf eine Bank am Mainufer neben zwei Damen und verzehrt ein Käsebrot. Vor der Bank liegt ein großer Hund im Gras und kaut auf einem Strick herum.

 

Dame 1: … und jedenfalls hat Rita das gleiche Hundesofa dann bei Ebay für 28 Euro ersteigert, aber du musst noch die Benzinkosten dazurechnen, sie hat das ja in Walldürn abgeholt.

Dame 2: Charly, willste e Leckerli? Leckerli, hm? Hab ich grad noch in de Tasch gefunne.

Dame 1: Oh bitte gib ihm nichts, wir machen doch gerade diese Ernährungsumstellung.

Dame 2: Aber des sinn spezielle Labrador-Kroketten.

Dame 1: Nein, gib ihm bitte nichts.

Dame 2: Des is doch fast nix, guck, die sinn inne hohl, die sehn nur so groß aus, dass er denkt, sein Bauch wär schon voll.

Dame 1: Das ist lieb, ja, aber ich bin gerade dabei, ihn abzufüttern, weil wir doch auf Stadtfutter umsteigen. Im Moment bin ich am Mischen, ein Teil Landlabradorfutter, ein Teil Stadtlabrador, und bis zum Umzug will ich ihn zu hundert Prozent auf Stadtlabrador umgestellt haben.

Dame 2: Du musst ihm es Futter umstelle, weil ihr in die Stadt zieht?

Dame 1: Helena hat gute Erfahrungen damit gemacht, sie hat ja von Stadtmopsfutter auf Landmops gewechselt, wobei sie bei Boogie ja auch noch immer seine Allergien beachten muss. Ich glaube, zur Zeit bekommt er viel Pferdefleisch, weil er halt ein Allergikerhund ist.

Dame 2: Und en Senior isser aach.

Dame 1: Seniorfutter braucht er noch nicht, hat sie gesagt, weil er so gute Zähne hat.

Dame 2: Des glaub ich, ich kenn niemand, wo seim Hund so oft de Zahnstein entferne lässt.

Dame 1: Jedenfalls bekommt Charly jetzt 70 Prozent Stadtfutter, das ist auch ein sehr hübscher Sack, da ist vorne so ne Skyline abgebildet und ein Labrador, der die Pfote hebt, sehr hübsch.

Dame 2: Unn was is da de Unnerschied zwischen Stadtlabradorfutter unn Landlabradorfutter?

Dame 1: Naja, in der Stadt hat er ja nicht so den Auslauf, und er kann nicht so große... du weißt schon, auf dem Land hat er ja Platz, also das Stadtlabradorfutter sorgt dafür, dass er...

Dame 2: Dass er wenischer kackt?

Dame 1: Weniger und konzentrierter, ja.

Dame 2: Unn wenn ich aufm Land wohn, isses ja egal, wie groß die Haufe sinn.

Dame 1: Ich weiß jetzt halt nicht, wie das ist, also ob ich einem Randlabrador, einem Landlabrador auch Stadtrabladorfutter geben kann, wenn ich will, dass er...

Dame 2: Klaanere Haufe macht.

Dame 1: Oder was passiert, wenn ich dem Randrab, dem Landlabrador Landmopsfutter geb? Also essen würde er es, Labradore essen ja alles, er hat ja auch schon Umzugskartons gefressen.

Dame 2: Charly, da biste bald en Stadtlabrador, hm? Da biste bald en Stadtlabrador, hm?

Dame 1: Da kann man noch froh sein, dass er kein Agility macht. Überleg mal, die Hunde von Hans-Peter brauchen spezielles Sportfutter, weil sie so gefordert werden, da kostet ein Sack 85 Euro. Da lieg ich mit dem Stadtrabladorfutter wenigstens noch ein bisschen drunter.

Dame 2: Charly, freuste dich schon? Da biste bald en Stadtrablador! En ganz braver Stadtlabrador biste bald! Ja, ich würd dir gern e Leckerli gewwe, aber du wird grad abgefüttert, gell, ja, abgefüttert wirste grad, bald biste kein Landlabrador mehr.

Dame 1: Morgen gehen wir auf 80 Prozent Stadtfutter hoch.

Dame 2: Ma gucke, ob sich sei Haufe verännern.

Dame 1: Charly, komm, wir gehen, komm, nimm deinen Strick mit.

Dame 2: So, tschüß.

Herr K.: Wiedersehn.

Dame 1: Auf Wiedersehen.

 

Die Damen und der Noch-Landlabrador verschwinden. Die Unermesslichkeit möglicher Gesprächsthemen ist noch unermesslicher, als man bislang vermutet hätte, denkt Herr K., wirft sein Mittagspausenbrotpapier in einen Mülleimer und geht zurück an seine Arbeitsstelle.

 

 

Die Terminvereinbarung

 

Frau Hock hat zum 65. Geburtstag einen Gutschein über ein Wellnesspaket in einem Schönheitssalon geschenkt bekommen. Sie greift zum Telefon, um einen Termin zu vereinbaren.

 

Frau Hock: Guten Tach, ich hatt en Gutschein geschenkt bekomme und wollt en Termin ausmache.

Mitarbeiterin: Gerne, Sie haben das Wellnesspaket, ja?

Frau Hock: Ja, wie lang dauerten des?

Mitarbeiterin: So zwei Stunden, wir bieten das immer nachmittags an. Wann hätten Sie denn Zeit?

Frau Hock: Ach, eischentlich immer, ich bin ja Rentnerin. Saache Sie mir einfach, wann es nächste Ma was frei wär.

Mitarbeiterin: Also die Woche ist alles schon voll, nächsten Montag um vier?

Frau Hock: Da hab ich Wassergymnastik. Sonst geht’s eischentlich immer, nur montags net.

Mitarbeiterin: Dann... am Freitag um halb sechs?

Frau Hock: Ja, des geht.

Mitarbeiterin: Da trag ich Sie gleich ein.

Frau Hock: Halt, naa, doch net, da hammer ja Hochzeitstag, des geht net, da gehn mer esse.

Mitarbeiterin: Dienstag, 11. November um 18 Uhr?

Frau Hock: Oh Jesses, naa, da hammer St.-Martinsfeier von de Hundegruppe.

Mitarbeiterin: Und am Tag drauf, Mittwoch, 12. November um 16 Uhr?

Frau Hock: Naa, da muss ich uffen Friedhof, da is Seelenamt für mei Tante. Vielleicht mache mer´s lieber im Dezember, im November is doch schon so viel, seh ich grad.

Mitarbeiterin: Montag, 8. Dezember um halb fünf?

Frau Hock: Ja. Naa, babbel, da is doch immer Wassergymnastik.

Mitarbeiterin: Ach so, montags geht’s ja nicht. Dienstag, 16. 12.?

Frau Hock: Ach je, naa, da simmer ja e Woch uff de Aida! Naja, vielleicht doch besser nächst Jahr, über Weihnachte kemmt die Verwandtschaft, da werd´s terminlich aach eng.

Mitarbeiterin: 14. Januar um 16 Uhr?

Frau Hock: Naa, da hab ich um drei en Termin beim Kardiolooch, den kann ich net verschiebe, da wart ich schon neun Monat druff. Aber sonst geht’s eischentlich immer.

Mitarbeiterin: 15. Januar um 17 Uhr?

Frau Hock: Oje, naa, da werd de Hund operiert.

 

Zwei Minuten später.

 

Mitarbeiterin: 26. Juni um 18.30 Uhr?

Frau Hock: Also, ausgerechent da hammer Sommerfest vom Wanderverein, da mach ich immer die Sektbar, des kann ich net absaache. Aber sonst geht’s eischentlich immer.

 

Drei Minuten später.

 

Mitarbeiterin: Dann am... 18. September 2015 um 16 Uhr?

Frau Hock: An dem Wochenend fahrn mer zum Knödelfest nach St. Johann. Die Woch druff is aach eher schlecht, da wollte mer noch e paar Daach in em Hundehotel in St. Pölten dranhänge, also wenn de Hund die Operation überlebt.

 

Zehn Minuten später.

 

Mitarbeiterin: Wie schaut´s aus, in drei Jahrn, Mittwoch, 25. Oktober 2017 um 16.30 Uhr?

Frau Hock: (überlegt) Des müsst gehn... Ja, des müsst gehn...

Mitarbeiterin: Dann trag ich Sie da gleich ein. Sagen Sie bitte bis eine Woche vor dem Termin Bescheid, falls Ihnen etwas dazwischen kommt.

Frau Hock: Naa, des müsst gehn... 25. Oktober 2017... Da fällt mir jetz werklisch nix ein, was da is... Des müsst gehn... Ja, ja, des müsst schon gehn... Außer sie verleesche bis dahin die Wassergymnastik uff Mittwoch...

 


 
Mein Sohn, der Salafist

Marita und Dieter, deren Kinder zusammen im Kindergarten waren, treffen sich 
nach vielen Jahren zufällig in einem Supermarkt am Käseregal. 

Marita: (laut und aufdringlich) Dieter! Kennst du mich noch?! Die Marita! Die 
Mama von Jörn, Maite und Britta! Ach Gottchen, wir haben uns ja bestimmt 
15 Jahre nicht gesehen!
Dieter: (überrumpelt) Hallo, ja... Des is werklisch ewig her... Ja unn, äh... was 
mache die Kinner? 
Marita: Ich kaufe gerade für Maites großes Welcome-Dinner ein! Sie kommt 
übermorgen aus Neuseeland zurück, sie hat doch dort dieses bilinguale 
Marvey-Livingstone-Programm absolviert, hast du bestimmt schon von 
gehört, die nehmen nur 1,0-Abiturienten! Sie erneuerte dort Weidezäune 
auf verarmten Schafsfarmen, deren Besitzer ihre Kredite nicht zurückzahlen 
können. Sie will ja Finanzanalystin werden, sie hat schon ihren Studienplatz 
an der Private Stanley in Bonn, und da macht es sich natürlich gut, wenn man 
auch die andere Seite der Medaille kennt, das schlägt sich ja auch im Lebenslauf 
nieder! 
Dieter: Ja, mhm...
Marita: Und Jörn hat jetzt auch Abitur gemacht, ihr müsst mal zum Kaffee  vorbei 
kommen, dann zeig ich euch Fotos! Abitur: 1,5, aber er war ja ein Jahr in Vancouver, 
das hat ihn so unglaublich bereichert, da kommt´s mir persönlich jetzt auf die paar 
Zehntel auch nicht an. Er träumt heute noch auf Englisch! Kürzlich kam er samstags 
zu unserem Familienbrunch die Treppen herabgestiegen und sagte: "Mutter, ich 
habe heute wieder auf Englisch geträumt! Ich bin euch so dankbar, dass ihr mir 
das alles ermöglicht habt!" Ja, und vor Maites Rückflug trifft sie Jörn in Singapur, 
er ist gleich nach der letzten Prüfung auf dieses Projektschiff gegangen, hast du 
bestimmt schon von gehört, 900 Bewerbungen auf 20 Plätze, die segeln ein Jahr 
lang im Uhrzeigersinn um die Welt!
Dieter: Des is schon was, ja...
Marita: Er will ja Luft- und Raumfahrt-Ingenieur werden bei der Nasa, da ist Erfahrung 
in Team Building ein absolutes „Must“! Und Britta hat 2012 auf Sardinien ihren 
langjährigen Partner geheiratet, er besitzt dort ein Hotel in Küstenlage, mit 
ayurvedischem Zentrum und Burn-Out-Klinik, und Britta ist ja Psychologin mit 
Zusatzausbildung in Business Creativity Coaching, da war sie doch ein Jahr in 
New York bei Dr. Crombs, das ist ja eine Koryphäe auf diesem Gebiet, von dem 
hast du sicher schon gehört, und Dr. Crombs nahm Britta sogar als seine Assistentin 
auf diese große Vortragsreise nach Florida mit. Da hat sie auch ungeheuer viel Input 
für sich selbst erhalten. Ich flog zu ihr nach Sardinien, um die Hochzeit vorzubereiten, 
und wir fuhren quer über die Insel, um uns inspirieren zu lassen, wir wollten die 
Feier ja bewusst dem Inselflair verhaftet gestalten, und in einem Fischerdorf 
stießen wir auf eine einheimische Kapelle, die dort am Hafen spielte, und ich 
ging zu den Musikern und verpflichtete sie von der Straße weg, und Britta sagte 
zu mir: "Mutter, ich bin so froh, dass du da bist! Du hast so eine Power und so 
einen strukturierten Tagesablauf!" Dieter, komm doch mal mit der Doris zum 
Kaffee vorbei, dann zeig ich dir Fotos von der Feier, Maite war mit ihrem 
Verlobten da, ein angehender Anästhesist und nordrhein-westfälischer Meister 
im Brustschwimmen... Ja... Und was machen eure Kinder so?
Dieter: (überlegt) Also... de Ingo is Salafist worn, zu dem hammer schon seit Jahrn 
kein Kontakt mehr, ich glaab, der is in Pakistan. Unn die Silke hat jetz die 
Hauptschul abgebroche. Aja, die is schwanger unn eh mehr in de Entzugsklinik 
wie in de Schule, die war doch mit dem bekannte Crackdealer zamme. Aja, unn 
de Markus... is im Gefängnis. Der hat doch den große Banküberfall gemacht in 
Frankfurt, haste bestimmt von gehört, da gibt’s aach scheene Fotos vom 
Überfall, die warn sogar im Fernsehn, die könne mer ja mitbringe, wenn mir 
ma zum Kaffee vorbeikomme. 
Marita: (verstört) Ja, du, das machen wir, ich muss weiter, ich meld mich... 

Dieter: (atmet erleichtert durch) Die wär ich los. 

 

 

Musse bezahle!“

 

Zum Geburtstag hat Alfred seiner Frau Doris einen Kurztrip nach Mailand inklusive Opernbesuch geschenkt – obwohl er Opern nicht ausstehen kann. Trotzdem verlief das Wochenende bislang unerwartet harmonisch, auch weil Alfred Trost bei der Plünderung der Minibar suchte und fand. Ein Whiskey-Fläschchen war jedoch, wohl von einem früheren Gast, mit Bier aufgefüllt worden, was Alfred erst bemerkt, als er die Hälfte getrunken hat. Am nächsten Morgen beim Auschecken an der Rezeption versucht Alfred – mit besagtem Fläschchen in der Hand – die Situation zu erklären.

 

 

Alfred: Was heißten „uffülle“ uff english? Fill uff? Someone filled uff the bottle with beer, kann mer des so saache?

Doris: Saach am beste gar nix, am End müsse mer´s doch bezahle.

Alfred: Ich bezahl doch nix, wo ich net getrunke hab! Ich verklicker des dem jetz, dass da irschenden Schlaumeier des Whiskey-Fläschje getrunke unn mit Bier uffgefüllt hat.

Doris: Was mussten des aach uffmache!

Alfred: Ich hatt Dorscht!

Rezeptionist: (kommt aus dem Hinterzimmer) Ah, buongiorno, signorina, you leave us today?

Doris: Good morning, yes.

Rezeptionist: Everysing was alright? You hadda nice stay in Milano? Alles gutt?

Doris: Yes, yes, everysing was wonderful.

Alfred: Not everything, also es is so, dass... Wie mir gestern haam komme sinn, wollt ich noch en Korze trinke... I wanted to...

Doris: Tu jetz des Fläschje weg, des kapiert der eh net. Ich bezahl´s aafach!

Rezeptionist: Allora... Did you take anything from the minibar?

Alfred: Yes, äh, drei Schnäps, I pay drei Schnäps from the minibar, but I pay not the whole minibar.

Doris: What he wants to say is...

Rezeptionist: Not pay? Warum not? Musse bezahle Minibar. Pagare!

Alfred: Look, Signore, look: I pay drei bottles, drei Schnäps, I drink drei Schnäps yesterday, but I pay not one other Schnaps, because in one bottle war kein Schnaps but Bier.

Doris: Drei Schnäpse warn OK, but in de viert Bottle was Bier!

Rezeptionist: Mi dispiace, ma non capisco. Nehme vier Flasche aus Minibar, musse bezahle vier Flasche aus Minibar. Dove è il problema?

Doris: Ach Gott, Alfred, lass es, ich bezahls!

Alfred: Look, Signore, des hat aaner ausgedauscht, die Flüssischkeit, it stands “Whiskey” druff, but it is Bier in the bottle. Look, you can see, there is Schaum druff.

Doris: Oh Alfred, mir sollte vielleicht doch emool so´n Englischkurs mache an de VHS, zum Ufffrische.

Rezeptionist: You opened the bottle, musse bezahle.

Alfred: It was not Whiskey drin, it was Bier. It´s an old trick. It´s an old trick, someone drinks the whiskey and fills it with Bier uff.

Doris: With Bier uff, yes!

Rezeptionist: Yes, everbody can say that. No, no, no, musse bezahle.

Doris: Oh Alfred, bezahl´s halt, der kapiert´s doch eh net.

Alfred: Ich fass es net, ich bezahl doch kaan Whiskey, wo gar kaaner war! Gugg doch emool do noi in die Flasch, da waaßte net, if it´s Urin oder Bier, jedenfalls war des kaan Whiskey. Look doch emool, there is Schaum druff! Whiskey looks another aus!

Doris: Net uffreesche.

Rezeptionist: Si si si, but musse bezahle anyway. I´m sorry. You opened the bottle, musse bezahle.

Alfred: Mir bezahle überhaupt nix! Wahrscheinlich hat der selwer die Flasch widder uffgefüllt. So kann mer soi Gäst aach abzogge. You self filled the bottle uff, oder?!

Doris: Alfred, ich bezahl des jetz unn mir gehn.

Alfred: Unn doofür fahr ich denne ihr dreckische Mautautobahne nabb! Your dirty Maut-car-trains!

Doris: Kerle, ich bezahl des jetz, reesch dich net so uff, so e Fläschje kost doch nur, äh, wieviel kost des, Mister, what costs this bottle of Whiskey?

Alfred: Des war kaan Whiskey, doo war Bier drin, with Schaum druff! Des is doch alles Verarschung! Unn du werfst denne noch freiwillig unser Geld in de Rache. She´s so bleed and werfs you our money in the mouth!

Rezeptionist: Flasche Whiskey, ah, musse bezahle funf Euro.

Alfred: Fünf Euro, und there was net emool Whiskey drin!

Doris: Komm, mir gehn jetz. So macht mer halt soi Erfahrunge.

Rezeptionist: Tutto sommato, vier Whiskey, mache zwanzig Euro.

Doris: Ich bezahl´s jetz, dass Ruh is... Mir könne ja froh sein, dass de net aach noch die Champagnerflasche uffgemacht hast. Arrivederci!

Rezeptionist: Arrivederci, signora, grazie, komme Sie gut nach Hause!

Alfred: …..Wart na, wann der mir noch emool üwwern Weesch lääft! Dann is die Wutz im Garde! Have you heared, Signore? Then is the pig in the garden!

 

 

 

Hämmern und essen

 

 

In einem Café sitzt ein Herr und liest Zeitung. Einziger weiterer Gast ist eine stumme ältere Dame, die mit zittrigen Fingern eine Tasse Kräutertee trinkt. Die Ruhe wird unterbrochen durch das stürmische Eintreffen einer kräftigen Seniorin, die offenbar mit der Teetrinkerin verabredet ist. Sie wirft krachend ihre Handtasche auf die Sitzbank und hält der Bekannten ihren dick mit Verbandszeug umwickelten Daumen vors Gesicht.

 

 

Frau: (sehr laut) Da, guck, mein Finger! Des war widder de Walter!

Ältere Dame: (mit schwächlicher Stimme) Ach je, ach je...

Frau: Des hat mer widder devon, der Mann mecht mich verrückt! Verrückt mecht er mich! Irgendwann werf ich´n raus! Jetz will er es Bad selwer renoviern unn war bei irschendem Abverkauf, jetz is die Badtür größer als de Rahme! Runnergesetzt war´s auf 200 Euro, aber wenn mer was käuft, dann käuft mer´s doch so, dass es passt, unn net so, dass die Tür dann größer is als de Rahme! Da langste dir doch an de Kopp! Ich könnt em grad de Krotze rumdrehe!

Ältere Dame: Unn was is mit deim Daume?

Frau: Mim Hornbachhammer hat er mir druffgehaache, aus Versehe, hat er gesacht! Mim Hornbachhammer, der is aus Panzerstahl! Ich sollt „nur emool korz“ die blöde Leiste halte, „nur emool korz“, ach, was reesch ich mich uff! Was reesch ich mich uff! Mir is bald alles egal!

Ältere Dame: Hm.

 

Sie schweigen. Der Zeitung lesende Herr schöpft Hoffnung, dass der Wutausbruch nun vorüber ist, und vertieft sich in eine Reportage über den Verkauf eines französischen Zementwerks.

 

Frau: Stattdasser ma´s Dach neu decke lasse deed! Wenn die Bauaufsicht kommt, sinn mir dran! Aber naa, stattdessen kauft er en Dampfsaugroboter, so en Schrott! Des zischt unn faucht unn macht Newwel unn verschmiert de Dreck im ganze Haus! Ich haach´s zum Sperrmüll naus! Genau wie den elektrische Fensterreiniger, die ganze Fenster warn denach grau unn verbabbt! Unn wenn ich´n schon seh, wenn ich´n schon seh, wie er da hockt! Ich kann´s net mehr sehn! Ich mach´s net mehr mit, ich bin jetz 69 Jahr alt, da muss ich doch kaam mehr Rechenschaft ableesche!

Ältere Dame: Ja, aber bei euch war´s ja immer schon so, dass es e bissje schwierisch war, aber ihr habt euch doch immer widder zammegerauft.

Frau: Ach, des hat alles kaan Sinn mehr. Äppelwoi is kaan Alkohol, hat er neulich gesacht. Was soll ich´n dadezu saache? Was soll ich´n dadezu saache? Saach mir des emool! Dann wollt er nach Offebach fahrn, zum Schlochter-Karl, hab ich vorbeuschend sein Autoschlüssel versteckt. Des war doch absehbar, dass des widder ausgeartet wär, wenn ich den nach Offebach fahrn lass! Dann krieht der widder de Führerschein abgenomme, unn ich derf ihn im Landkreis rumkutschiern.

Ältere Dame: Die Berna hat mir neulich erzählt, sie hätt net mehr gebeichtet, seit se verheiert is.

Frau: Ich auch net. Was soll ich´n beichte, ich bin e Märtyrerin! Was ich alles uff mich nemm! Des hätt mir schon zu denke gewwe müsse, dass er gleich nach de Hochzeit gesacht hat, er will ma nach Hanau zu seine Eltern ins Grab. Unn jetz will er mir noch im hohe Alter e neue Wasserleitung aufzwinge, wo mei ganze Rosestöck am Haus hochgestemmt wern müsse. Dann will er noch parallel e Gartehäusje baue, da kann er sich widder auspowern, unn abends isst er dann vier Schnitzel! Baumarkt unn Esse, des sinn dem sei Hobbies. Nur hämmern unn esse, der wird immer dicker. Ich seh ihn von de Küch aus durch die Milchglastür uffem Sofa hocke, wie e Walross. Neulich Nacht hat´s en Schlag getan, da isser von de Couch gefalle unn hat sei Bier uffs Laminat gekippt. Mir geht’s ja net ums Laminat! Obwohl Flüssigkeit net gut is für´s Laminat, unn es war viel Flüssigkeit!

Ältere Dame: Is er noch bei de Feuerwehr?

Frau: Ja, aber die ham aach kaa Verwendung mehr für ihn. Der is so dick, wenn die den hochleiern, bricht die Drehleiter zamme! Wen willen der rette?

Ältere Dame: Ach je, ach je...

Frau: Ja, unn jetz saach mir ma, was mer da macht, saach mir ma, was mer da macht!

 

Scheidungsanwalt, denkt der Zeitung-lesen-wollende Mann, Scheidungsanwalt, oder weit ausholen mit dem Hornbachhammer. Die beiden Damen schweigen nun dauerhaft. Ob sie ähnliche Gedanken hegen, ist nicht bekannt.